You can look, but you can’t touch!

Viktoria Renpenning Erfahrung 6 Comments

Yoga hat viele Komponenten und Arten es zu unterrichten. Wer meinen Unterricht und mich kennt, der weiß, dass meine Unterrichtsweise sehr berührungslastig sein kann. Und genau dieses Thema steht bei mir immer mehr im Fokus, wenn ich meine Unterrichtsweise zu anderen Lehrern vergleichen. Man kann es lieben und man kann es hassen. Aber eine neutrale Haltung zu Berührungen zu haben, ist fast nicht möglich. Denn Berührungen, das haben Forschungen bereits bewiesen, sind äußerst wichtig für den Menschen. In den USA gibt es selbst ein Touch Research Institute, dass sich alleine mit dem Thema Berührung und den Auswirkungen von Berührungen auf das menschliche Nervensystem und die Entwicklung von Kindern und Erwachsenen beschäftigt. 

Doch immer wieder höre und sehe ich im Yoga-Alltag das Gegenteil: Viele Lehrer berühren und korrigieren ihre Schüler kaum, sind vorne auf ihrer kleinen „Bühne“ und zeigen die Bewegungen zum Nachahmen vor. Oft merken meine Schüler erst, wohin die Dehnungsreise gehen soll, wenn ich im Herabschauenden Hund mit meinem Oberkörper halb auf ihnen draufliege und sie zur Entspannung anrege. In der Yoga-Vidya-Ausbildung meinten einige Lehrer an unserem Bunten Abend, an dem wir über Spiel und Spaß entscheiden durften: „Aber bitte ohne dieses ganze Fummeln! Anfassen mögen wir nicht so.“ Ich fragte mich, ob das ein Signal von „Wir sind offen, solange du uns nicht zu nah kommst?“ sei. Was ist so schlimm daran, andere Menschen zu berühren? Nein, ich rede hier nicht von sexuellen Berührungen oder Triggerpunkt-Massagen à la Faszientherapie, bei der uns allen die Tränen vor Schmerzen kommen. Sondern vielleicht die einfache Berührung zweier Hände oder der Hand am Rücken oder den Schultern. 

Ich gebe es zu: Ich bin ein Berührungs-Junkie. Schon kurz nach dem Säuglingsalter entwickelte ich einen Anfass-Tick. Ich grabschte nicht nach Brüsten oder Ärschen, sondern nach…dem kühlen Oberarm meiner Mutter im Bereich des Trizeps. Diesen Tick bewahre ich mir bis zum heutigen Alter (ich bin bereits 30 Jahre alt :-/ ) und werde wahrscheinlich auch damit sterben. Nun muss mein Freund oder andere enge Freunde daran glauben, wenn ich mal wieder schwach werde. Die Berührung dieser Körperstelle lässt mich irgendwie ganz ruhig und selig werden. Es scheint noch bis heute ein Gefühl von Sicherheit in meinem Unterbewusstsein auszustrahlen. Doch weg von dem Exkurs über meine Droge und zurück zum Thema.

Utthita Trikonasana – das Dreieck – mit Hilfestellung

Gerade diese Woche hatte ich in meinem Kurs eine neue Schülerin, die auf meine intensive Berührungsform, die meinen Unterricht authentisch macht und von anderen Unterrichtsformen abgrenzt, absolut negativ reagierte (kurzer Einwurf: Meine Yogaschüler streichle ich nicht am Trizeps!). Nach einer intensiveren Hilfestellung, in der ich sie einlud, sich trotz der anstrengenden Position zu entspannen, blaffte sie mich an mit einem „Ich kann mich so nicht entspannen!“ an und verließ kurz darauf den Unterricht. Das war natürlich eine ziemlich unangenehme Situation für die Lehrerin – mich – und die Schülerin. Aber es hat mir auch wieder gezeigt, wie sensibel ich als Lehrerin in diesem Bereich mit meinen Schülern umgehen muss und wie extrem auch Berührungen negative Auswirkungen haben können, wenn z. B. jemandem ein traumatisches Erlebnis widerfahren ist. Werde ich deshalb meinen Unterricht ändern? Nein, denn nach einer guten Aussprache mit der Schülerin stehe ich immer noch hinter meinem Konzept. Sicherlich gibt es immer etwas, was jeder Yogalehrer besser machen kann. Auch ich versuche mich immer wieder in meiner Kommunikation zu verbessern. Aber ich würde nicht so unterrichten, wie ich es tue, wenn ich davon nicht überzeugt wäre. Auch die #metoo-Debatte in der Yogawelt wird mich in diesem Bereich nicht abhalten. Es wird traurigerweise immer Menschen geben, die andere Menschen durch eine höhere Stellung – im Yoga beispielsweise die Position des Gurus – versuchen werden auszunutzen. Aber es liegt auch an uns Schülern zu zeigen, wo unsere Grenzen sind, und wir müssen uns auch eingestehen, dass wir absolut nichts daraus gewinnen, wenn wir etwas im Yogaunterricht über uns ergehen lassen. Davor kann uns im Leben leider niemand schützen außer wir uns selbst. 

Wer nichts mit Berührungsyoga anfangen kann, der hat ja – zumindest in Berlin – die Möglichkeit, zu gefühlt einer Million anderer Yogakurse zu gehen, von denen sich alle auf etwas Anderes spezialisieren. Das ist ja das Schöne an Yoga und der Großstadt.

Und somit bleibt für mich die große Frage: Was ist es, was die Menschen am Berühren nicht mögen? Ich würde mich darüber freuen, wenn du mir bei der Aufdeckung dieses Geheimnisses helfen möchtest und einen Beitrag mit deiner Meinung zu dem Thema hinterlässt oder mir in dieser anonymen Umfrage zwei Fragen beantwortest. 

Dankeschön!

Comments 6

  1. Hey liebe Vicky, hier Nicole, deine Kollegin . Bei mir kommt es bei Berührung immer auf die Tagesform an. Manchmal möchte ich von niemandem berührt werden weil ich keine nicht von mir gesteuerten Reize von außen möchte. Auch ob ich den Menschen gut kenne oder nicht. Welche Welle wir miteinander fahren. Kann sein ich treffe einen Menschen zum ersten Mal und spüre Verbundenheit.. Da umarme ich zb früher.. Manche Menschen kenne ich länger, umarme sie aber nicht gerne. Je nachdem was mein Gegenüber mir ausstrahlt, welche Schwingungen rüber kommen. Weißt du wie ich meine? Oder in den letzten Tagen stelle ich fest umarmen sich Leute weniger weil sie so verschwitzt sind ;-)..
    Mehr fällt mir gerade nicht ein.. Aber interessanter Denkanstoß von dir. Ich denke kalika, also Franzi kann dir da noch ganz viel erklären wegen in Kindheit geprägt usw..
    Schick dir nen dicken Drücker
    Liebe Grüße Nicole

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      Danke für diese neutrale Aussage, liebe Nicole. Wie du sagst, auch du hast Tage, wo du Berührungen magst und welche, wo du es nicht magst. Ich merke aber immer wieder, dass ich nicht nur einen Yogaunterricht nach Schema „Ashtanga“ oder nach Schema „Hatha“ machen möchte, sondern da noch etwas ganz anderes fließen muss, damit der Unterricht für mich Sinn ergibt. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass ich auch zu Hause den Unterricht für mich alleine machen kann. Deshalb das Anfassen und Energien-Fließen-Lassen. Und ich hoffe, dass meine Schüler das dann auch zu schätzen wissen, werde aber natürlich noch viel mehr in Betracht ziehen, dass es auch Tage gibt, an denen diese Berührungen aus mehreren Gründen einfach zu viel sein können. Liebe Grüße an den Süden Deutschlands 🙂

  2. „Oft merken meine Schüler erst, wohin die Dehnungsreise gehen soll…“
    Genau deshalb ist die Berührung und Korrektur wichtig und richtig…
    bringt ja nichts, wenn man die Übungen falsch nachahmt.
    Du machst ALLES richtig auf Deine Weise, daher ignorier die Schülerlehrerin.
    Evtl am Anfang Deiner Kurse nur vorwarnen…aber das hattest Du bei meinem Besuch immer getan. 🙂
    …weiter so❤

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      Cool, danke dir. Ja, meistens warne ich vor. Vor allem, wenn ich sehe, dass die Person ganz neu ist im Yoga und evtl. noch gar nicht weiß, was so auf sie oder ihn zukommen könnte. Ich hatte es dieses Mal bei der Schülerlehrerin einfach vergessen, so wie es eben manchmal passiert. Das zeigt, dass man wirklich auch bei jedem einzelnen Schüler, auch wenn er schon Yogaerfahrung hat, achtsam an diesem Punkt mit seinen Informationen umgehen muss.

  3. Ich finde deinen Stil super und ich denke der Großteil deiner Schüler*innen auch, anosonten würden sie nicht wiederkommen. Ich wünschte jeder Yoga Lehrer oder Lehrerin würde die Schüler korrigieren und auf die individuellen Schwierigkeiten eingehen, denn jeder Körper ist anders. Mir hilft es auf jedenfall noch besser zu verstehen was mit dem Erklärten gezeigt wird. Je mehr Sinne desto besser!

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      Danke Edi für das coole Feedback. Es ist schön zu lesen, dass es gut tut, die Sinne anzusprechen. Das habe ich noch gar nicht so betrachtet 🙂 Aber ich fang jetzt nicht mit Räucherstäbchen, Musik und krassen Hilfestellungen. Das würde dann wohl eine Überreizung der Sinne sein 😀

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